Calories in, calouries out – oder ist es etwa doch komplizierter?
#scienceroundup
25 Januar, 2022 durch
Calories in, calouries out – oder ist es etwa doch komplizierter?
Michael Moschny
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Calories in, calouries out – oder ist es etwa doch komplizierter? 

Impact of energy turnover on the regulation of energy and macronutrient balance. – Bosy-Westphal et al. (2021) 


Hintergrund

Eine Gewichtszunahme oder der Abbau von Körpergewicht werden durch die Kalorienbilanz bestimmt. Wird mehr Energie zugeführt als verbrannt wird, nimmt der Mensch an Körpermasse zu und vice versa. Doch stimmt dies auch in der Realität oder unterliegt man hier einer vorschnellen Simplifizierung?

Material & Methoden

Die Autoren schlossen in diesem narrativen Review 85 Studien zum Thema Grundumsatz, Leistungsumsatz, Energiefluss und Energieumsatz ein, und beleuchteten das Thema Gewichtsverlust- und -abbau sowie den Einfluss der genannten Themen auf die Verwendung der verschiedenen Makronährstoffe als Energielieferant. Der Energieumsatz beschreibt dabei die Menge an täglich verbrauchter Energie (Gesamtumsatz) im Verhältnis zur Körperzusammensetzung. 

Ergebnisse

Einfluss auf die Energiezufuhr

Verschiedene Studien untersuchten den Einfluss von körperlicher Aktivität auf Hunger bzw. auf das Verlangen nach Nahrung. Tatsächlich zeigten Veränderungen bei der täglichen körperlichen Aktivität von -25 % bis +25 % keinen Einfluss auf die Nahrungsaufnahme. Bei einer Senkung des Bewegungsvolumens, wie zum Beispiel bei einer Verletzung oder im Urlaub, kann also nicht mit einer körpereigenen Anpassung des Hunger- und Sättigungsverhaltens an den nun niedrigeren Energiebedarf gerechnet werden. Beim Ziel der Gewichtsreduktion kann dieser Effekt jedoch genutzt werden, da die gesteigerte Aktivität nicht zwingend automatisch zu mehr Appetit führt. Jedoch scheint der Effekt auch von der Belastungsintensität abzuhängen. So haben Aktivitäten mit niedriger Intensität aber gleichem Kalorienverbrauch einen weniger stark unterdrückenden Effekt auf Hunger und Appetit als hochintensive Belastungen. Andererseits tritt durch einen Gewichtsverlust ein Rückgang der täglich benötigten Energiemenge auf, ohne dass unmittelbar das Essverlangen sinkt. Dieser Aspekt kann als partielle Erklärung für den oft zitierten Jo-Jo-Effekt herangezogen werden, da die Person nun zwar weniger Kalorien verbrennt, aber nach wie vor das gleiche Essverlangen aufweist. Eine Steigerung der körperlichen Aktivität während der Gewichtsreduktion und das Aufrechterhalten dieser, nach dem Erreichen des Zielgewichtes, konnten sehr gute Erfolge beim Erhalt des Gewichtsverlustes zeigen.


Zusammenhang mit Makronährstoffzufuhr- und -metabolismus

Die typische westliche Ernährung, die einen hohen Anteil an Kohlenhydraten in Form von Glukose und Fruktose aufweist, stellt ein offensichtliches Problem für die Gesundheit der durchschnittlichen Bevölkerung dar. Konsumieren jedoch Sportler, unabhängig von der Energiebilanz, ähnliche Mengen an schnell verfügbaren Kohlenhydraten, können keine negativen metabolischen Konsequenzen festgestellt werden, auch wenn die Betroffenen einen eigentlich zu hohen BMI aufweisen (z.B. Sumo-Wrestler). Was genau die Gründe für diese Diskrepanz sind, wird Thema zukünftiger Studien sein und kann anhand der aktuelle Datenlage nicht erklärt werden. Eine Vermutung ist der höhere Anteil an funktionellem Gewebe, welches zu einer Verbesserung bzw. Aufrechterhaltung einer gesunden Glukosetoleranz beiträgt. Auch das Timing der Zufuhr von schnell verfügbaren Kohlenhydraten könnte eine Rolle spielen


Diskussion

Die positiven Effekte von körperlicher Aktivität auf das Essverhalten und die metabolische Gesundheit können sowohl zur Vermeidung als auch zur Verbesserung von metabolischen Risiken und Übergewicht genutzt werden. Dennoch sollten auch die gegensätzlichen Mechanismen nicht außer Acht gelassen werden, wie sie bei Personen auftreten, deren körperliche Aktivität plötzlich reduziert wird.

Calories in, calouries out – oder ist es etwa doch komplizierter?
Michael Moschny 25 Januar, 2022
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