Der Einfluss der Ernährung auf das Darmmikrobiom - Pro- & antientzündliche Prozesse
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13 Dezember, 2021 durch
Der Einfluss der Ernährung auf das Darmmikrobiom - Pro- & antientzündliche Prozesse
Michael Moschny
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Die Ernährung und das Darmmikrobiom - Pro- & antientzündliche Prozesse 

Long-term dietary patterns are associated with pro-inflammatory and anti-inflammatory features of the gut microbiome. – Bolte et al. (2021) 


Hintergrund

Die gezielte Zufuhr von Protein unmittelbar vor dem Schlaf ist eine beliebte Methode zur Optimierung der Regeneration. Diese Untersuchung widmete sich der Wirkung der abendlichen Einnahme von Wheyprotein und Casein auf die körperliche Regeneration nach Widerstandstraining.

Material & Methoden

Die Studie untersuchte anhand von zwei niederländischen Kohorten mit insgesamt 1425 Probanden Zusammenhänge zwischen der verfolgten Ernährungsform, der vorliegenden Zusammensetzung des Mikrobioms und dem Auftreten von Entzündungsprozessen sowie Pathologien. Knapp 600 der 1425 Teilnehmer litten dabei an einer chronischen Darmerkrankung (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa). 

Ergebnisse

Gesunde Probanden konsumierten mehr Brot, Kartoffeln, Käse und Joghurt als jene mit Darmerkrankungen, was sich auch in einem höheren Proteinanteil (sowohl tierisch als auch pflanzlich) niederschlug. 

Die Metaanalyse zeigte Zusammenhänge zwischen 13 Ernährungsmustern (inkl. 29 Lebensmittel-Clustern) und 24 Gruppierungen bezüglich der bakteriellen Besiedelung des Darms. So zeigten die Cluster Brot-Leguminosen und Fisch-Nüsse eine verringernde Wirkung auf die Synthese von Endotoxinen und Entzündungsmarker im Stuhl. Die Häufung der damit verbundenen Bakterien zeigte bereits einen Zusammenhang mit dem Auftreten von entzündlichen Darmerkrankungen und Dickdarmkrebs. Zusätzlich scheint der Konsum von Nüssen, fettigem Fisch, Obst, Cerealien und Rotwein eine Erhöhung der Konzentration von Bakterien, die eine anti-inflammatorische Wirkung besitzen, zu bewirken. Darunter fallen Roseburia und das Faecalibacterium, die durch die Fermentation von Ballaststoffen kurzkettige Fettsäuren produzieren. 

Auch der Konsum von Kaffee steigert ein Bakterium (Oscillibacter), das mit der Senkung von entzündungsfördernden Pfaden in Verbindung steht. Polyphenole aus Tee und Beeren haben ebenfalls eine steigernde Wirkung auf die Konzentration dieses Bakteriums. 

Pflanzenprotein zeigte eine positive Wirkung auf diverse Fermentationsprozesse, die an der Synthese von entzündungshemmenden Stoffen und der Aminosäure L-Ornithin beteiligt sind. 

Gesundheitlich negative Auswirkungen waren mit dem Konsum von Alkohol und Spirituosen durch die Reduktion von Bifidobakterien und einer gesteigerten Produktion von Endotoxinen verbunden, was mit der Steigerung von Entzündungsvorgängen in Verbindung steht. Im Gegensatz dazu zeigte Rotwein allein positive Eigenschaften auf die Population des bereits erwähnten Roseburia-Bakteriums, eine Senkung des C-reaktiven Proteins sowie eine Verringerung des Gesamtcholesterins bei adipösen Erwachsenen. Die zugeführte Gesamtalkoholmenge scheint hierbei maßgeblich ausschlaggebend zu sein.

Diskussion

Das Mikrobiom ist ein hochkomplexes Thema, weshalb diese Untersuchung nur Zusammenhänge aber keine Kausalitäten wiedergeben kann. Zusätzlich ist nicht bekannt, ob auch kurzfristige Veränderungen des Mikrobioms relevante Auswirkungen auf die Gesamtgesundheit mit sich bringen. Es scheint, dass der Grundstock des Mikrobioms vor allem von der langfristigen Ernährungsform abhängt und die Einflussnahme auf die Gesundheit ebenso langfristig zu sehen ist. Zukünftige Untersuchungen, die eine detaillierte Analyse des Mikrobioms mit Langzeitkontrollen kombinieren, werden genaueren Aufschluss über den Einfluss der jeweiligen Veränderungen des Mikrobioms auf die Gesundheit liefern.




Der Einfluss der Ernährung auf das Darmmikrobiom - Pro- & antientzündliche Prozesse
Michael Moschny 13 Dezember, 2021
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