Kreatin und seine Wirkung als Supplement im Gehirn
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4 Mai, 2022 durch
Kreatin und seine Wirkung als Supplement im Gehirn
Sandra Haberl
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Kreatin und seine Wirkung als Supplement im Gehirn

Effects of Creatine Supplementation on Brain Function and Health. – Forbes  et al. (2022) 


Hintergrund

Über die Wirkung von Kreatin als Supplement im Sportbereich ist bereits vieles bekannt und belegt. Es beeinflusst neben dem Muskelaufbau ebenso die Leistungsfähigkeit positiv, indem es die Energiewährung im Körper, das ATP, nach seinem Verbrauch wieder resynthetisiert und somit wieder brauchbar macht. Da auch neurologische Vorgänge im Gehirn ATP benötigen, untersuchen immer mehr Studien die Wirkung von Kreatin auf die kognitive Leistungsfähigkeit. Dies kann einerseits den chemischen Stoff selbst produzieren, andererseits auch über die Blut-Hirn-Schranke aufnehmen. Die Menge an Kreatin, welche hier jedoch aufgenommen werden kann ist, im Vergleich zur Aufnahme im Skelettmuskel, limitiert. Um durch eine Supplementierung von Kreatin im Gehirn Effekte zu erzielen, müsste die Dosierung vermutlich erhöht werden oder länger dauern. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Studien begutachtet, um den Einfluss von Kreatin als Supplement bei neurologischen und psychischen Erkrankungen, als auch bei Schlafentzug und zur Behandlung von Schädel-Hirn-Traumata näher zu beschreiben.

Material & Methoden

Für dieses Review wurden verschiedene Studien analysiert, um den aktuellen Stand der Forschung in Bezug auf die Kreatinsupplementierung zusammenzufassen und seine Wirkung auf den Gesamtkreatin- und Kreatinphosphatgehalt im Körper zu beschreiben. Zusätzlich wurde die Guanidinoessigsäure (GAA), ein Vorläufer von Kreatin, als Alternative oder Ergänzung zur Supplementierung von Kreatin untersucht

Ergebnisse

Kreatin und Guanidinoessigsäure (GAA)

Die Supplementierung von Kreatin bewirkt einen Anstieg des Kreatinspiegels im Gehirn. Dieser ist jedoch geringer als jener, welcher im Skelettmuskel zu beobachten ist. Aufgrund unterschiedlicher Vorgehensweisen in Studien kann derzeit noch nicht definiert werden, ab welcher Zufuhrmenge eine Supplementierung von Kreatin im Gehirn Wirkung zeigt. Es liegen jedoch Daten vor, die darauf hindeuten, dass bei Erkrankungen, welche mit einem niedrigen Kreatinspiegel im Gehirn einhergehen, bereits ab einer niedrigeren Dosierung Effekte erzielt werden können. Zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass ebenso GAA den Kreatinspiegel im Gehirn erhöht und sogar die Gehirnleistung verbessern kann.

Kreatin und kognitive Leistungsfähigkeit

Es gibt bereits Nachweise, dass Kreatin einen positiven Einfluss auf kognitive Funktionen, wie etwa die Gedächtnisleistung, hat. Je mehr das Gehirn bioenergetisch gefordert ist, wie beispielsweise unter Schlafentzug, desto stärker ist dieser Einfluss. 

Kreatin bei neurodegenerativen Erkrankungen

Zusammenfassend scheint die Supplementierung von Kreatin, wenn überhaupt, eine begrenzte klinische Wirkung auf das Fortschreiten oder auf die Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen, wie ALS, Duchenne-Muskeldystrophie, Huntington-Krankheit, Multiple Sklerose und Morbus Parkinson, zu haben. Eine wichtige wissenschaftliche Herausforderung ist die Bestimmung der optimalen Dosierung von Kreatin, um den Kreatingehalt des Gehirns zu erhöhen und somit die therapeutische Rolle von Kreatin bei neurodegenerativen Erkrankungen besser zu verstehen.

Kreatin und psychische Gesundheit

Ergebnisse von Tierstudien deuten darauf hin, dass Kreatin möglicherweise eine Rolle bei der Behandlung von Depressionen spielen könnte. In Bezug auf Angstzustände und posttraumatische Belastungsstörung gibt es jedoch noch zu wenig Daten, um hierzu eine Einschätzung treffen zu können. 

Kreatin bei Gehirnerschütterung und Schädel-Hirn-Trauma

Obwohl die aktuelle Evidenz begrenzt ist, erscheint die Verwendung einer Kreatinsupplementierung zur Behandlung und zum Schutz von Gehirnerschütterungen und Schädel- Hirn-Traumata vielversprechend. Es gibt ebenso Beweise dafür, dass Kreatin zum Vorteil sein könnte, wenn es bereits unmittelbar nach einem Schädel-Hirn-Trauma verabreicht wird

Diskussion

Zahlreiche Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Supplementierung von Kreatin und auch GAA den Kreatinspiegel über die Muskeln hinaus auch im Gehirn erhöhen kann. Dies könnte einige der genannten Vorteile einer Kreatinsupplementierung in Bezug auf Kognition, Depression, Gehirnerschütterung und Schädel-Hirn-Traumata erklären. Die Forschung zur Wirksamkeit von Kreatin bei der Behandlung von Symptomen neurodegenerativer Erkrankungen oder Angstzuständen fehlt jedoch oder ist uneinheitlich. Es sind somit weitere Untersuchungen erforderlich, um die Wirkungen längerfristiger Dosierungsstrategien von Kreatin als Supplement für die Gehirnfunktion und -gesundheit zu bestimmen.

Kreatin und seine Wirkung als Supplement im Gehirn
Sandra Haberl 4 Mai, 2022
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